Bruce Darnell Interview

Hier ein Bruce Darnell – Interview, das anläßlich der “Das Supertalent”-Staffel 2009 geführt wurde:

Am Freitag, 16. Oktober, 20.15 Uhr, startet bei RTL die Talentshowreihe “Das Supertalent”. In der Jury sitzt neben Dieter Bohlen und Sylvie van der Vaart wieder Model und Choreograph Bruce Darnell. Im Interview anlässlich der neuen Staffel erzählt der Supertalent-Juror, welches Talent ihn zu Tränen gerührt hat, über seinen Traum, eine Weltreise zu machen und dass er im Oktober ein eigenes Parfüm auf den Markt bringt.

Interview mit Bruce Darnell:

Bruce, worauf können sich die Zuschauer in der neuen Staffel freuen?

Bruce Darnell: Natürlich auf viele tolle und witzige Kandidaten. Und ich denke, das Gute bei dieser Staffel ist auch, dass die Jury ein noch besseres Team bildet, mehr mit den Kandidaten im Gespräch ist und alles viel lockerer ist. Man musste natürlich in der ersten Staffel erstmal seinen Platz in der Jury finden, aber jetzt läuft alles fließend und es macht unheimlich viel Spaß.

Und wie sind die Rollen verteilt?

Darnell: Es gibt keine Rollenverteilung. Jeder weiß, was er zu tun hat. Aber es ist nicht so, dass jemand sagt, das machst du und das machst du. Wir drei passen einfach alle gut zusammen, das ist der entscheidende Punkt. Das macht eine gute Jury aus, finde ich.

Was sind Ihre Highlights beim Casting, welche Acts haben Ihnen am besten gefallen?

Darnell: Da gab’s natürlich viele Highlights. Ich erinnere mich an einen Mann, der über zwei Meter groß war und zusammen mit seiner Freundin mit einem Stock und mit Feuer spielte. Das war sehr interessant. Und dann natürlich noch der Gesang. Wir haben viele junge Sängerinnen dabei. Es ist immer klasse, wenn ein Mädchen mit elf Jahren auf die Bühne kommt und toll singt. Wir haben natürlich noch viele andere Überraschungen dabei.

Was waren denn die furchtbarsten Auftritte?

Darnell: Für mich ist es in dem Sinne nicht furchtbar. Zahlreiche Kandidaten kommen auf die Bühne und können nicht singen. Andere glauben, gute Artisten zu sein, können es aber nicht. Auch das gehört zum Job, man nimmt das in Kauf. Jeder hat das Recht, in so eine Show zu kommen und sein Glück zu versuchen. Und manche Leute haben das Glück, dass etwas Tolles passiert, und leider haben viele Leute das Pech, dass gar nichts passiert. So ist das Business.

Kennen Sie das Gefühl des Fremdschämens?

Darnell: Nein, ich schäme mich nicht für jemanden in diesem Raum. Ich kenne diese Personen nicht persönlich, und das geht daher an mir vorbei. Das klingt wahrscheinlich ein bisschen brutal, aber das ist die Wahrheit. Wenn ich jemandem empfohlen hätte, sich bei ‘Das Supertalent’ zu bewerben, dieser auf die Bühne kommt und nicht singen oder tanzen kann, dann würde ich mich für ihn schämen. Aber jemanden, den ich überhaupt noch nie in meinem Leben gesehen habe oder nicht kenne, für den schäme ich mich einfach nicht.

Also bekommt jeder bei Ihnen eine Chance, sein Talent zu zeigen?

Darnell: Ja, sicher! Man versucht, den Leuten einfach eine Chance zu geben. Ich denke, es ist einfach fair: Die Kandidaten erhalten die Möglichkeit, etwas zu beweisen. Man darf nicht vergessen, dass viele von ihnen Träume haben. Viele von ihnen reisen von weit an, um zu diesem Casting zu kommen und ich finde, es ist unsere Pflicht zu sagen, okay, du hast jetzt zwei oder 15 Minuten Ruhm und ich wünsch’ dir viel Glück oder ich drück’ dir die Daumen und was passiert, passiert.

Sie haben bei der letzten Staffel gesagt, Sie wollen nicht mehr so emotional sein und weinen. Hat Sie in dieser Staffel jemand so berührt, dass Ihnen Tränen gekommen sind?

Darnell: Klar, ich sage jedes Mal, dass ich nicht im Fernsehen weinen will, aber das passiert immer wieder. Man kann das manchmal nicht so steuern. Es war eine ganz tolle Frau dabei, die etwas von Joe Cocker gesungen hat. Die war so wunderbar! Der ganze Auftritt, ihr Wesen…, sie kam auf die Bühne und man dachte, ‘oh Gott, wo geht das alles hin?’. Man spürte, dass sie mit sich ein gewisses Problem hat. Dann machte sie den Mund auf und sang ein ganz tolles Lied. Das hat mich wirklich sehr berührt, das war ein toller Moment.

Sie bekommen sehr viele tragische Geschichten der Kandidaten zu hören. Wie wichtig ist die Geschichte für die Show oder um weiter zu kommen?

Darnell: Also, ich habe entdeckt, dass die Kandidaten sehr schlau geworden sind. Wenn jemand eine Story hat, meinen die meisten Kandidaten, dass wäre automatisch eine Chance. Mich – muss ich ehrlich sagen – interessiert das einfach nicht. Die Hauptsache ist, dass jemand ein Talent auf die Bühne bringt. Wir müssen alle aufstehen und mit unseren Problemen kämpfen. Wie sieht der Tag aus, wie sieht der nächste aus? Ich brauche keine traurige Geschichte. Ich will jetzt nicht brutal klingen, aber ich sage: “Mach weiter mit der Show”. Es ist eine Show für Talente. Komm einfach auf die Bühne und versuch dein Glück.

Fällt es Ihnen schwer, den Kandidaten zu sagen, ‘nein, tut mir leid, dass war zu schlecht’, oder ist es jetzt leichter geworden in der zweiten Staffel?

Darnell: Es ist schon etwas leichter geworden. Man darf aber nicht vergessen, ich bin jetzt besser in meine Rolle und in die Jury reingewachsen, ich habe einfach mehr Sicherheit. Früher habe ich immer gesagt, dass ich keine Ahnung von Musik habe, aber die Zeit hat sich geändert. Ein Jahr ist vorbei. Ich habe wahnsinnig viel über Musik gelernt und ich weiß, wer singen kann oder wer fünf Töne verpasst hat und überhaupt nicht singen kann. Ich habe keine Angst mehr, nein zu sagen. Ich habe oft versucht, nur höflich zu sein. Ich denke auch, dass man eine positive Botschaft geben sollte, aber ab und zu kommt ein ABER. Es ist einfach die Art und Weise, wie man es sagt. Wenn ich auf jemandem rumhacke und ‘nein, nein, nein’ sage, geht das nicht. Das ist einfach nicht korrekt. Aber wenn man sagt, ‘es tut mir furchtbar leid, du hast versucht, dein Bestes zu geben, aber du weißt selbst, das war nicht gut.’ Dann kommt man ins Gespräch mit demjenigen, sagt, ‘ja wir wissen, du warst aufgeregt. Aber es war ein guter Versuch, und vielleicht klappt es nächstes Jahr. Wenn man es so sagt, ist es in Ordnung.

Kennen Sie das aus Ihrer Karriere?

Darnell: Ich bin auch abgewiesen worden, sehr oft. In meinem Business ist es total anders, du kriegst manchmal ein JA oder du kriegst manchmal eine Option. Eine Option heißt, du wartest irgendwo in Mailand, Paris oder New York im Hotelzimmer. Manchmal kriegst du erst eine Stunde, bevor die Modenschau anfängt, Bescheid. Das macht einen einfach verrückt. Viele Designer haben zu mir gesagt, ‘du bist zu groß, zu schlank, du bist schwarz und das ist einfach nicht das, was wir haben wollen. Du musst eigentlich weiß sein’. Aber ich habe nicht aufgegeben, ich bin immer meinen Weg gegangen. Ich wusste schon, ich bin ein gutes Model, musste aber viel an mir selbst arbeiten und unheimlich viel negative Kritik schlucken. Ich habe immer an mich selbst geglaubt, bin weiter gegangen und das hat sich ausgezahlt. Und ich glaube, das ist der entscheidende Punkt. Man muss aber auch wissen, dass man ein Talent hat, muss sein Talent einschätzen können. Wenn ein Mensch kein Talent hat, sollte er etwas anderes versuchen.

Aber die meisten glauben ja, sie hätten Talent …

Darnell: Oft wird ihnen das von falschen Freunden eingeredet. Und man darf nicht vergessen, wir leben in dieser Mediengesellschaft. Alle meinen, ‘ich brauche da gar nicht mehr zu arbeiten, ich werde sowieso bekannt und verdiene viel Geld, das geht alles ganz leicht.’ Aber es ist nicht leicht. Es ist harte Arbeit. Ich arbeite seit über 25 Jahren in der Modebranche. Vom Model zum Choreographen und Stylisten. Ich habe wirklich viel gemacht, ich weiß, wovon ich rede. Ich weiß auch ganz genau, was ich tue, ich denke, ich habe unheimlich viel Disziplin. Aber die meisten Menschen kommen in eine Show und verstehen gar nichts von Disziplin und Leistung – und das kann nicht gut gehen.
Auf der anderen Seite ist da ein Mädchen, das elf Jahre alt ist. Du fragst sie, ob sie singen möchte. ‘Ja, ich liebe Singen, das ist mein Ding’, sagt sie, ‘ich habe mit fünf Jahren angefangen, Gesangsunterricht zu nehmen’. Sie fängt an zu singen, und es ist der Hammer. Disziplin und Leistung. Man muss sie einfach weiterkommen lassen.

Da kommen ganz viele Leute mit großen Träumen. Haben Sie noch Träume, gibt es etwas, was Sie gerne noch machen würden?

Darnell: Mit 52 Jahren habe ich einfach gelernt, die Sachen so zu nehmen, wie sie sind. Ich lebe von Tag zu Tag. Natürlich hat man Träume und Wünsche, aber ich bin auch nicht jemand, der sagt, ich muss das und das erreichen. Ich lebe in der Gegenwart, nicht in der Zukunft, und ich denke, das macht das Leben viel einfacher. Man hat nicht diesen Druck und diese Sorgen: Wie sieht mein Leben in zehn Jahren aus? Das brauche ich einfach nicht mehr. Ich bin gesund, ich bin glücklich, und das ist der entscheidende Punkt. Aber wenn ich einen konkreten Traum äußern sollte, dann würde ich gerne eine Weltreise machen.

Sie bringen jetzt ein Parfüm auf den Markt?

Darnell: Ja, das kommt im Oktober und heißt Bruce für die Männer und Darnell für die Frauen. Ich wurde oft gefragt, welchen Duft ich benutze, und daraus entstand die Idee, mein selbstkreiertes Parfüm auf den Markt zu bringen. So kann ich den Menschen etwas geben. Dass ist mein Duft, der gefällt mir. Die Menschen haben jetzt die Möglichkeit, diesen Duft auszuprobieren.

(c) RTL

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