Sylvie van der Vaart Interview

Haben Sie schon Ihr Supertalent entdeckt?

Sylvie van der Vaart: Ich habe noch keinen Favoriten. Ich weiß nur, dass ich sehr beeindruckt von der Qualität der Kandidaten bin. Das heißt natürlich nicht, dass wir nicht auch viele verrückte Leute dabei hatten. Aber das macht es ja auch immer lustig. Ich war vor allem von den Sängerinnen und den Akrobaten begeistert, die wir gesehen haben. Die Vielfältigkeit der Talente macht die Show spannend und das ist das Wichtigste.

Gibt es Unterschiede zur letzten Staffel?

Ich finde, die Bandbreite ist größer geworden. Ich weiß nicht, warum, aber sehr viele junge Kinder können genauso gut singen wie Erwachsene, das ist wirklich beeindruckend. Die Akrobaten sind dieses Mal auch sehr gut. Was mir auch aufgefallen ist, es treten dieses Mal nicht so viele Hip Hopper an, was aber auch nicht wirklich schlimm ist, da wir letztes Jahr wirklich zu viel davon gesehen haben. Und mir fällt auf, dass die Show sehr international geworden ist. Wir haben viele Kandidaten aus den unterschiedlichsten Ländern dabei, aus England, Russland und Schweden… Besonders sind auch die Altersunterschiede, die unheimlich groß sind. Die jüngste Teilnehmerin ist erst vier Jahre und der Älteste schon 95 Jahre alt. Das ist für eine Show wie ‘Das Supertalent’ natürlich riesig, so viele unterschiedliche Leute auf der Bühne zu haben. Das ist schon etwas sehr Besonderes im Fernsehen.

Was war der schlimmste Act, wo Sie dachten, oh mein Gott?

Da war dieser Mann, der auf der Bühne nur gepupst hat – Songs gepupst hat. Den habe ich auch nicht weiter gelassen. Ich verstehe da die zwei Juryherren an meine Seite nicht, die ihn weiter gelassen haben. Ich glaube, dass ist so ein Männerding. Ich glaube, keine Frau hätte ihn weiter gelassen.

Kennen Sie das Gefühl des Fremdschämens?

Ja , das kenne ich. Das Gefühl hatte ich schon ein bisschen bei dem Pupser , das muss ja wirklich nicht sein. Der hat sogar durchs Pupsen brennende Kerzen ausgemacht. Tja, das hält mancher wohl für ein Talent.

Es sind einige Kandidaten dabei, die schon letzte Staffel da waren , auch Leute, die jetzt nicht unbedingt gut waren. Können Sie sich das erklären, warum die Leute immer wieder kommen?

Ja da sind ein paar dabei von der letzten Staffel. Zum Beispiel war da dieser Mann, der im letzen Jahr Dieter wegen Beleidigung bei der Polizei angezeigt hat. Er hat sich dafür entschuldigt. Er war letztes Jahr scheinbar nicht so gut drauf und hat sich nicht wirklich wohl gefühlt. Dieses Jahr hat er dann wieder etwas gezeigt, aber es war auch dieses Mal wieder nichts. Ich hatte sogar Angst, ihn zu beurteilen, nicht, dass er mich auch noch anzeigt.. hätte. (lacht)
Aber manche kommen zum zweiten Mal und überzeugten wirklich. Zum Beispiel Oliver und Stefan, die wirklich gut gesungen haben. Dann waren da auch noch ein Vater und sein Sohn, die letztes Jahr bei uns gesungen haben und es dieses Jahr noch mal versuchen wollten. Aber leider haben sie sich nicht verbessert. Nur, weil man ein Jahr Zeit zum Üben hatte, heißt das nicht, dass man im nächsten Jahr automatisch weiter kommt.

Können Sie verstehen, dass Leute, die überhaupt nichts können, immer wieder kommen?

Ich glaube, es ist das Magische am Fernsehen. Diese Leute sehen sich Zuhause im Fernsehen oder werden von Leuten aus ihrem Umfeld oder auf der Straße angesprochen und empfinden das als etwas Besonderes. Es tut ihrem Ego gut, sie fühlen sich vielleicht für einen Moment wie ein Star. Und dieses Gefühl scheinen sie so zu mögen, dass sie wieder im Fernsehen auftreten wollen.

Fällt es Ihnen leicht oder müssen Sie Ihre Emotionen manchmal unter Kontrolle halten, weil Sie doch manchmal ein wenig genervt sind und sich denken, hmm…

Ja, natürlich, aber jetzt weiß ich ja, was auf mich zukommt. Manchmal wird wirklich viel Blödsinn gezeigt, so dass man auch mal genervt ist. Aber immer, wenn ich dachte, ich kann nicht mehr, bitte lass doch jetzt mal ein richtiges Talent kommen, hatte ich Glück und es kam jemand mit einem tollen Auftritt.

Und wie war es, Dieter und Bruce wieder zu treffen, wie ist die Zusammenarbeit mit ihnen?

Sehr gut. Es ist toll, dass wir wieder zusammen arbeiten können. Es macht immer sehr viel Spaß. Ich kenne die beiden und ihre Beurteilungskriterien jetzt besser. Jeder hat natürlich seine eigene Art und Weise, jemanden zu beurteilen. Ich finde, dass das dieses Jahr auch stärker zum Vorschein kommt, aber es ist dadurch auch spannender.

Wie ist die Verteilung in der Jury?

Dieter ist natürlich der Direkteste in der Jury, Bruce hat mehr Ahnung vom Tanzen und Bewegen, und er weiß, wer das gewisse Etwas hat und wer nicht. Und ich bin meistens so dazwischen, obwohl ich sagen muss, dass ich dieses Jahr ab und zu ein bisschen strenger sein werde. Ich bin auch konsequenter, denn ich weiß jetzt genau, was auf mich zukommt und manchmal sehe ich es einfach nicht ein, jemanden weiter kommen zu lassen. Nur weil jemand eine traurige Geschichte hat oder besonders süß ist, heißt es nicht, dass er sofort weiter kommt. Ich werde nur Leute weiter lassen, die auch wirklich etwas können. Ich finde es immer wieder interessant, wenn die Zuschauer meinen, die Jury zu kennen und es dann immer mal wieder zu Entscheidungen kommt, bei denen sie wirklich überrascht sind.

Wie wichtig ist es für die Kandidaten, eine Geschichte zu haben .wie Michael Hirte der letztes Jahr auch durch sein Schicksal bewegt hat?

Für mich ist es nicht so wichtig. Wir werden natürlich auch über die Geschichten der Kandidaten informiert, aber ich denke, man sollte sich davon nicht beeinflussen lassen. Nur die Talente sollten bewertet werden, weil auch nur sie für die Show wichtig sind. Für die Zuschauer ist es natürlich schön, etws mehr über den Bewerber und seine Lebensgeschichte zu erfahren. Aber es ist nur für die Zuschauer wichtig, nicht für die Jury.

Was für Talente kennt man von Ihnen noch nicht?

Ich weiß es eigentlich nicht. Ich bin kein Mensch, der fürs Tanzen oder Singen geeignet ist. Ich habe andere Talente, aber das sind nicht diese Showbusiness-Talente.

Haben Sie noch Träume, sagen Sie, dass möchte ich gerne noch machen in meinem Leben?

Ja, absolut, ich habe noch Träume. Beruflich möchte ich noch einmal etwas Tolles moderieren, vielleicht eine große Show. Eine große Entertainment-Show. Privat möchte ich noch ein zweites Kind haben.

Sie haben sich die Entscheidung ja nicht leicht gemacht, jetzt hier wieder beim Supertalent dabei zu sein…

Ja, die Entscheidung war nicht leicht, obwohl ich super gerne wieder dabei sein wollte. Ich wusste nur nicht, wie ich auf die Chemotherapie reagiere. Ich bin ein Kontrollfreak, aber in dieser Sache wusste ich nicht, was passieren wird. Ich musste also einfach nach meinem Gefühl eine Entscheidung treffen. Ich bin froh, dass ich zugesagt habe, weil es mir wieder gezeigt hat, dass ich eine starke Person bin. Man ist natürlich immer etwas unsicher, wenn man etwas noch nicht erlebt hat. Aber ich glaube, ich habe das gut gemacht.

Wie lange geht die Chemotherapie noch?

Die Chemotherapie geht bis Dezember und ‘Das Supertalent’ auch, aber ich versuche, das positiv zu sehen. Die Arbeit lenkt mich ab und hat mir geholfen, meine positive Einstellung und Freude zu bewahren. . Bei den Castings habe ich meinen Sohn immer mitgenommen und ich hatte eine schöne Zeit, aus der ich wirklich nur Positives herausgeholt habe.

Wie gehen Ihre Jurykollegen damit um?

Wir haben eigentlich nicht darüber geredet. Es ist kein Thema für uns. Ich bin Sylvie und ich bin noch immer Sylvie, auch wenn ich eine Chemotherapie mache. Und das finde ich gut. Das Letzte, was ich wollte, wäre Mitleid und immer wieder auf meine Krankheit angesprochen zu werden. Ich glaube, die Leute um mich herum haben das auch allmählich vergessen. Man vergisst es einfach auch, wenn es jemandem gut geht. Man lacht, man macht Witze und ich habe keine Minute in der Jury gefehlt. Es ist kein Thema mehr. Und je lockerer man damit umgeht, umso lockerer gehen auch die Leute um einen herum damit um. Das ist gut so.

Sie gehen ja relativ offen mit Ihrer Krankheit um…

Weil es jetzt ein Teil meines Lebens ist und ich mich nicht dafür schäme. Ich bin eine Person, die in der Öffentlichkeit steht und deshalb interessiert es jetzt auch die Menschen. So kann ich Betroffenen in ähnlichen Situationen Mut machen und junge Frauen aufklären, unbedingt zur Vorsorge zu gehen.
Das einzige, was ich nicht will, ist, dass es jedes Mal um Krebs geht, ich bin Sylvie und nicht der Krebs. Ich hatte Krebs, jetzt nicht mehr und ich habe mich für eine präventive Chemotherapie entschieden. Im Dezember schließe ich das ab und eigentlich möchte ich dann nicht mehr darüber reden. Jetzt ist es nun mal ein Teil von mir. Aber ich sehe das, wie etwas, dass ich akzeptiert habe, was ich jetzt durchziehen muss.

Hat sich Ihr Leben, Ihre Lebenseinstellung durch ihre Diagnose irgendwie verändert?

Ja, auf jeden Fall. Ich bin lockerer geworden, bin nicht mehr die ganze Zeit so nervös, fühle mich weniger gestresst und ich sehe jetzt, wie schön das Leben ist. Das ist toll.

Sie sind eine wunderschöne Frau. Was machen Sie für Ihre Schönheit? Oder wie wichtig ist Ihnen Schönheit?

Ja, ich würde lügen, wenn ich sage, Schönheit ist nicht wichtig. Also, ich fühle mich einfach wohler, wenn ich gut aussehe, muss ich ganz ehrlich sagen. Aber Schönheit fängt mit dem Glücklichsein an. Man kann ein schönes Gesicht oder einen schönen Körper haben, aber wenn man nicht glücklich ist, sieht man das auch, das sehe ich auch an mir. Man kann natürlich etwas nachhelfen um gut auszusehen. Ich bin ein Sportmensch, deshalb mache ich fast jeden Tag Sport, auch während der Chemotherapie. Solange ich mich gut fühle, mache ich das. Ich höre sehr genau auf meinen Körper. Ich glaube, der Körper gibt selber an, was er kann und was nicht.
Meine Haare sind durch die Chemo natürlich auch ausgefallen, dass ist schon sehr komisch für eine Frau. Aber die Leute vergessen es jetzt auch schon wieder, und ich fühle mich wohl. Das Haarteil ist jetzt ein Teil von mir, und wenn ich die Chemotherapie abgeschlossen habe, werde ich mit kurzen Haaren rumlaufen. Aber das sind dann wieder meine Haare und darauf freue ich mich. Ich kann das als etwas Positives sehen, weil ich jetzt immer wieder meinen Look ändern kann. Das hätte ich vorher nie gemacht. Ich hätte mich nie für einen Kurzhaarschnitt entschieden, aber nächstes Jahr mache ich das.

Meinen Sie denn, man hat es einfacher im Leben, wenn man schön ist?

Das ist eine schwierige Frage, das weiß ich nicht. So einfach habe ich es jetzt auch wieder nicht. Denn auch eine schöne Frau kann sehr krank werden und nicht so schöne Sachen in ihrem Leben erleben. Es hängt davon ab, wie man damit umgeht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man so glücklich ist, wenn man nie Freude im Leben hat. Da bringt einem dann auch die Schönheit nichts. Innerlich muss alles stimmen und wenn man dann dazu auch noch schön ist, ist das ganz toll, glaube ich.

Haben es schöne Frauen manchmal leichter vor der Jury?

Bei Dieter auf jeden Fall. (lacht) Nein, er macht dann Witze: ja, die ist weiter, weil die schön ist oder einen tollen Körper hat. Aber im Endeffekt, wenn sie nichts kann, ist sie auch nicht weiter. Wir leben in einer Welt, in der schöne Menschen vielleicht erstmal einen Vorteil haben, aber im Endeffekt, wenn die nichts können oder einen schlechten Charakter haben, dann hört es ganz schnell auch wieder auf. Man sieht das auch, Charakter erkennt man in den Augen.

Sprechen Sie mittlerweile eigentlich Spanisch?

Nein, ich spreche nur ein bisschen Spanisch. Ich kann mir ein Essen oder einen Kaffee bestellen. Das Problem ist, dass alle meine Freunde und sozialen Kontakte in Madrid Englisch sprechen und ich daher nie das Gefühl hatte, unbedingt Spanisch lernen zu müssen. Das ist eigentlich nicht gut. Als ich nach Deutschland kam, hab ich sofort angefangen, Deutsch zu lernen, aber in Spanien hatte ich das Gefühl nicht und daher hab ich es auch nicht gemacht. Außerdem ist es auch noch unklar gewesen, ob wir in Spanien bleiben oder nicht. Jetzt bleiben wir aber in Madrid, das ist klar und mal gucken, vielleicht mache ich noch einen Intensivkurs.

Wenn Sie selbst entscheiden könnten, wo sie leben möchten, wo wäre das?

Ich würde immer mit meinem Mann gehen. Nach Holland würde ich gerne in 10 Jahren, jetzt noch nicht. Ich möchte noch einmal zurück nach Deutschland und ich möchte noch einmal die Premium League sehen, England finde ich auch toll, ein tolles Fußballland. Aber mein größter Wunsch für Rafael ist es natürlich, dass er jetzt bei Real Madrid durchstarten kann und dass er Erfolg hat. Schließlich ist Real Madrid der größte Verein der Welt. Da gibt’s nichts Größeres. Ich bin auch stolz auf ihn, dass er so einen Ehrgeiz hat und dass er jetzt noch nicht aufgeben will. Und es passt jetzt super in unser Leben, dass wir in Madrid bleiben, auch mit meiner Geschichte – da ich dort gerade die Chemotherapie mache. .

© 2009

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andrea 22. November 2009 um 15:00

Was für ein wunderschönes Ihrem außerem gerecht werdendes Interview. Und zwischen den Zeilen so menschlich. Danke du schöne, erfolgreiche Frau mit dem ach so erfolgreichem Mann an deiner Seite….Nun ja, für jeden regnet es halt nicht nur Rosen. Da ist es vielleicht wirklich hilfreich für uns Normalos zu wissen das es auch in dieser Glitterwelt meist ganz normal zugeht. Alles Gute für Kinderwunsch und die Gesundheit und noch viel Erfolg in Eurer Welt.

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